

Azoren
Wo das Wetter
gemacht wird
2024 war für mich ein Jahr auf der Überholspur – voller Druck, Fokus, Herzklopfen. Bis in den Sommer steckte ich mitten in
der intensiven Diplomphase meines Interaction-Design-Studi-ums. Tage, die ineinander übergingen, Nächte, die zu kurz waren, und ein Kopf, der ständig zwischen Ideen, Deadlines
und To-do-Listen pendelte. Als die schriftliche Dokumentation endlich abgegeben war, gab’s zwei Wochen Pause. Und ich
wusste sofort: Ich brauche dringend eine kleine Auszeit. Raus aus den eigenen vier Wänden. Mich ein-fach mal treiben lassen. Also nahm ich all meinen Mut zusammen und machte etwas,
das ich noch nie zuvor getan hatte: Ich reiste das erste Mal ganz alleine los. Ziel: die Azoren. Weit draussen im Atlantik, auf die Insel São Miguel. Dies ist die Haupt- und grösste Insel des Archipels, welche die Hauptstadt der Azoren, Ponta Delgada beherbergt.



Man sagt, dort wird das Wetter gemacht – und ja, das stimmt irgendwie. Es regnet oft, und viele der etwas höher gelegenen Kraterseen liegen die meiste Zeit im Nebel. Aber genau deshalb ist dort alles so unfassbar lebendig: Die Natur explodiert förmlich in Grün. Egal wohin ich schaute – sattes Moos, dichte Wälder, saftige Wiesen. Als wäre die Insel permanent frisch gewaschen. Vom höchsten Berg, dem Pico da Vara, hat man eine wahnsinns Aussicht über die ganze Insel und sieht gleichzeitig bis zur Nord - und Südküste hinunter. Vulkane schufen den Archipel weit vor der portugiesischen Küste, in dem es heute noch rumpelt und gärt, weil sich auf dem Meeresboden drei Kontinentalplatten aneinander reiben.
Eine Woche lang war ich frei. Ich streifte alleine los, entdeckte die Insel auf eigene Faust per Mietwagen, Quad und auf Wan-derungen und füllte meine Speicherkarte mit unzähligen Lieb-lingsmomenten. Jagte wunderschöne Sonnenauf- und Unter-gänge in Mosteiros im Westen der Insel, stand über mächtigen Klippen in Nordeste im Osten und staunte über die berühmten Kraterseen in den Bergen wie die Cede Cidades und den Lagoa do Fogo und fühlte mich mit jedem Tag ein bisschen mutiger. Mit dem Quad ging’s abseits der Strassen auf kleine Abenteuer, und zum allerersten Mal paddelte ich mit dem Kajak hinaus aufs Meer zu der winzigen, fast kreisrunden Insel Ilhéu de Vila Franca, einem versunkenen Vulkankrater ca. 3km von São Miguel ent-fernt – dieses Gefühl von Weite, Wellen und Freiheit werde ich nicht so schnell vergessen. Und dann war da noch die Ananas-plantage – in Europa einzigartig. Nachdem ich die süsse Frucht bereits in Hawaii kosten konnte, dachte ich, eine bessere als dort gibt es nicht. Aber die Azoren-Ananas kann es geschmacklich absolut mit ihrer tropischen Schwester aufnehmen!


Ich kam nicht einfach nur mit schönen Bildern nach Hause. Ich kam mit unzähligen Erinnerungen zurück, mit einem Kopf voller Ruhe – und mit dem Gefühl: Ich kann das. Diese erste Solo-Reise hat mir unglaublich viel gegeben. Und genau damit stand ich da-nach stärker denn je vor meiner Diplompräsentation, welche ich mit Bravour gemeistert habe.

























