
Island
Land aus Feuer und Eis

Island
Land aus Feuer
und Eis
Ich bin eigentlich eher der Süden-Typ. Gib mir Sonne, warme Luft und Tage, an denen ein T-Shirt völlig reicht – dann bin ich glücklich. Aber: Als Landschaftsfotografin hat man da manchmal ein kleines Problem. Die spektakulärsten Motive liegen nicht immer dort, wo Palmen wachsen.
Die Natur auf der Insel ist einfach wahnsinnig schön: unzählige Wasserfälle, nachtschwarze Sandstrände, rohe, unberührte Landschaften, die wirken, als hätte jemand die Welt gerade erst frisch erschaffen. Es gab Tage, da fuhren wir stundenlang auf der Ringstrasse und begegneten keinem einzigen Auto. Man muss allerdings dazu sagen: Es war Juni 2021, viele Länder steckten noch in Quarantäne – und so durften wir Island fast ohne Touristenstrom erleben. Der Preis dafür: ein (zugegebenermassen sehr unangenehmer) Corona-Test am Flughafen. Danach hatten wir die Insel gefühlt für uns alleine.
Zwei Erlebnisse werden für immer in meinem Kopf gespeichert bleiben:


Der Vulkan.
Schon im Flugzeug begann das Abenteuer – wir konnten nicht nebeneinandersitzen, und so landete ich neben einem Fotografen. Smalltalk wurde zu Reiseberatung. Irgendwann fragte er ganz selbstverständlich: „Geht ihr auch zum Vulkan?“ Ich so: "Was für ein Vulkan?"Ich hatte keine Ahnung. Er erzählte mir vom Fagra-dalsfjall, ein paar Kilometer südlich von Reykjavík – und davon, dass er gerade ausbricht. Noch bevor wir richtig angekommen waren, änderten wir unsere Pläne. Am ersten Tag standen wir tatsächlich vor einem aktiven Vulkan. Diese Hitze. Dieses Grollen. Und der Geruch der Lava – ich schwöre, den habe ich heute noch in der Nase. Mit keinem anderen Geruch vergleichbar.


Das Robben-Abenteuer.
Wir spazierten an einem dieser schwarzen Strände entlang, über Steine, die wie ein natürlicher Steg weit ins Meer hinaus-führten – Ziel: eine Robbenkolonie draussen im Nordatlantik. Neben uns eine Touristengruppe, die plötzlich begann, sich auszuziehen. Zur Erinnerung: Wir sind in Island. Die Luft hatte etwas um die 10°C. Der Himmel war grau. In meinen Augen absolut kein Badewetter. Wir haben uns innerlich schlapp-gelacht und dachten: Okay… jedem das Seine. Aber liessen sie natürlich machen.
Einige hundert Robbenbilder später machten wir uns auf den Rückweg. Also... wir wollten zurück. Denn plötzlich waren ei-nige der Steine, über die wir gekommen waren, einfach weg. Verschwunden. Die Flut hatte sie unter sich begraben. Das nenne ich Karma. Was blieb uns übrig? Wir mussten ebenfalls die Hosen und Schuhe ausziehen und durch den 8°C kalten Nordatlantik waten – begleitet von ein paar neugierigen Rob-ben, die um uns herum schwammen, als würden sie sagen: „Na? Lacht ihr jetzt immernoch?“
Seither bin ich definitiv ein Fan des Südens und des Nordens.

























